Konzept

Das Wohnheim Erzenberg betreut und begleitet obdachlose, drogenabhängige, oft „therapieresistent“ genannte Männer und Frauen. Als oberste Priorität des Konzeptes wird nicht die Drogenfreiheit an sich definiert, sondern die konkrete Auseinandersetzung mit der individuellen Persönlichkeit und dem sozialen Umfeld. Als erste therapeutische Massnahme wird eine Ordnung in den Tagesablauf der Klienten und Klientinnen gebracht. Der Erzenberg bietet ein strukturiertes Tagesprogramm mit Beschäftigung in der internen Werkstatt oder in der Hauswirtschaft an. Bei Eignung ist ein individuelles Beschäftigungsprogramm beispielsweise in Form von Gartenarbeiten, Hausräumungen oder die Arbeit mit Tieren möglich. Der zweite Schritt konzentriert sich auf das Sozialverhalten. Im Idealfall bedeutet dies den Aufbau neuer sozialer Kontakte sowie Pflege von Hobbys und Freizeitbeschäftigung. Ein dritter Schritt ist die langsame Lösung vom Erzenberg und die Übernahme von Verantwortung in einer eigenen Wohnsituation – gegebenenfalls mit weiterhin anhaltender Unterstützung in der Alltagsbewältigung seitens des Wohnheims.


Zielgruppe   

Die Kernzielgruppe des Wohnheims Erzenberg sind Suchtmittelabhängige Männer und Frauen ab 18 Jahren, welche

• sich in einer akuten Krise befinden und kurzfristig das Wohnheim Erzenberg zur Standortbestimmung und Planungshilfe nutzen wollen (Timeout).

• langfristige Begleitung und Unterstützung in der Bewältigung des alltäglichen Lebens benötigen.

• sich in einer Strafvollzugsmassnahme befinden.


Angebot        

Das Wohnheim Erzenberg bietet folgende Leistungen an:

• kurz- mittel oder langfristig einen geschützten Rahmen mit klaren Strukturen

• geregelte Wohnsituation in Verbindung mit einer angemessenen Tagesstruktur

• strukturiertes Beschäftigungsprogramm

• externe Wohnbegleitung

• kontrollierte Abgabe von verordneten Medikamenten und Methadon

• Betreuung und Unterstützung durch Fachkräfte

• vernetztes Arbeiten mit Fach- und Sozialstellen

• Anschlussprogramm in Zusammenarbeit mit der einweisenden Stelle

• kurzfristige Aufnahme unter Voraussetzung einer bewilligten Kostengutsprache der zuständigen Behörde


Betreuung/ therapeutische Begleitung

Das Wohnheim Erzenberg arbeitet mit Bezugspersonensystem. Jedem Bewohner und jeder Bewohnerin steht eine Bezugsperson zur Verfügung, die für Einzelgespräche in Bezug auf Gegenwartsbewältigung und Zukunftsplanung verantwortlich ist. Einmal pro Woche findet eine Gruppensitzung statt. Dabei werden aktuelle Themen besprochen, die sich im Zusammen­hang mit der Wohnsituation und dem Zusammenleben ergeben.

Beschäftigung

Zum Tagesablauf gehört auch die Beschäftigung in der internen Werkstatt. Neben der Werkstatt gibt es die Möglichkeit, sich in unserem Putz- oder Küchenteam zu engagieren. Bei Eignung bieten wir ein individuelles Tagesprogramm mit Stallarbeit und Tieren an. Den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen entsprechend, können auch Gartenarbeiten, Umzüge und/oder kreative Tätigkeiten in das Beschäftigungsprogramm integriert werden. Beschäftigung ist ein wichtiger Bestandteil unserer Institution und stellt realitätsnahe Anforderungen an die Bewohner/innen. Im geschützten Rah­men können diese der individuellen Leistungsfähigkeit angepasst werden.

Vernetzung

Wir legen Wert darauf, dass die Bewohnerinnen und Bewohner externe therapeutische Angebote wahrnehmen (z.B. ZfA, ADS, Sozialstellen, externe Gesprächstherapien etc.). Es finden in regelmässigen Abständen Standortgespräche mit den involvierten Stellen statt.

Dreistufenmodell

Die Bewohnerinnen und Bewohner werden individuell in das Dreistufenmodell eingegliedert.

Die erste Stufe

Die erste Stufe dient hauptsächlich der Stabilisierung und Standortbestimmung mit folgenden Schwerpunkten:

    • Analyse der aktuelle Situation in Bezug auf den Drogenkonsum

    • Gesundheitlicher Zustand

    • Soziales Umfeld

    • Grobe Zielsetzung bzw. Planung von Zukunftsperspektiven

Die zweite Stufe 

Nach der Eingewöhnung und Stabilisierung folgen konkrete Schritte, welche die Bewohnerinnen und Bewohner mit individuellen Angeboten in der Alltagsbewältigung unterstützen. Diese Schwerpunkte sind wesentlich für die zweite Stufe:

    • Einhaltung der Tagesstruktur

    • Zugehörigkeit und Verantwortung in der Gruppe

    • Zielvereinbarungen (kurz- und langfristig)

    • Konkrete Zukunftsplanung

Die dritte Stufe 

Je nach individueller Disposititon und Befinden ist es sowohl möglich anschliessend an die zweite Stufe als auch direkt nach der ersten Stufe Eingliederung in die dritte Stufe zu finden. Auf folgende Punkte wird geachtet:

    • Umzug in eine externe Wohnung oder Wohngemeinschaft

    • Stabilität und Zuverlässigkeit

    • Selbständigkeit (mit Begleitung) in der Alltagsbewältigung (Einkaufen, Kochen, Putzen etc.).

    • Aktivierung der Freizeitgestaltung

In Krisenzeiten gilt für Stufe zwei und drei die Option der Rückversetzung.

Hausordnung

Die Hausordnung ist Bestandteil des Aufnahmevertrages und regelt das Zusammenleben innerhalb der Wohngemeinschaft. Je nach Stufe kann die Hausordnung anders gestaltet sein. Der Konsum und Handel harter Drogen im Haus kann zu einem sofortigen Ausschluss führen. Ebenso jegliche Anwendung von Gewalt. Fehlende Bereitschaft zur konstruktiven Zusammenarbeit mit Team und Mitbewohnern sowie Nichteinhaltung der geltenden Regeln, können ebenfalls zu einem Ausschluss beitragen.